Texte

Gabriele Folz-Friedl, Ausstellung am 13.3.2019 Wien, Galerie Nuu

In Romana Hostnigs Bildern verbinden sich bestimmte Stilformen der Kunstgeschichte mit vielfach divergierenden, sich überschneidenden Ebenen zu einem immer wieder überraschenden Ganzen. Sind ihre künstlerischen Hervorbringungen in der zeitgenössischen Kunst kaum schlüssig einzuordnen (leben sie doch geradezu von ihrem Aussenseitertum), so ist auch innerhalb ihrer Werke eigentlich kein einheitlicher, durchgehender Stilwille auszumachen. Wohl aber sind festzustellen und vorhanden immer wiederkehrende und immer wieder aufgenommene Elemente, die sich verschiedenster Formensprachen bedienen und diese variieren, adäquat zu ihrem jeweiligen Gegenstand. Eine Spannweite vom Symbolismus oder auch vom Surrealismus wie zum Beispiel de Chiricos bis hin zur neuen Sachlichkeit, zum Beispiel der sozial- und zeitkritischen Satire eines George Grosz. Wenn man sich einmal vorbehaltlos auf all diese möglicherweise irritierende Vielfalt eingelassen hat, so erkennt man doch unschwer ein einigendes Band: es handelt sich um ein endloses, beunruhigtes („die beunruhigten Musen“) Zwiegespräch mit den in ihrer Unübersichtlichkeit und Rätselhaftigkeit quälenden Erscheinungen des Daseins. Jedes Bild ein Lösungsversuch in der nur dafür als passend „vorgefundenen“ Sprache – bis auf Widerruf. Der Felsen des Sisyphos, mal auf die eine, mal auf die andere Art gestemmt und weitertransportiert, ein kurzes Eratmen bis zum nächsten Mal. Die unbekannten Räume, die sich auftun … nur um sich jedes mal zu anderen Räumen zu öffnen und wieder zu schließen, ohne dass ein Ende dieses Prozesses je abzusehen wäre. Das Traumhafte – meist Alptraumhafte – das hinter jeder sogenannten Realität wartet – die faszinierende und verstörende Wirklichkeit hinter Tag und Raum, die stets erneute Stellungnahme verlangt.G

Christa Wolf, Schriftstellerin, Berlin, 1988
Zufällig wird für nächstes Jahr ein Buch vorbereitet, in dem die Rezeption meines Kassandra-Materials dokumentiert werden soll….Genauer würden Sie natürlich noch über den Herausgeber informiert werden.
Ich glaube, dass Ihre Bilder zu den eindruckvollsten in dem Band gehören werden.

Dr. Virgilio Boccardi, Venedig, 1999
Als italienischer Kritiker kann ich bei der Betrachtung der Gemälde von Romana Hostnig nicht anders, als an den großen Savinio denken, den großen Surrealisten und an die Metaphysik des Bruders Giorgo de Chirico. Die Wurzeln ihrer Malerei grundieren im Unbewussten. Mit den Jahren schaltet sich der malerische Diskurs von Romana Hostnig in den Wechsel der phantastischen Kunst, in ganz persönlicher Art.
In ihr ist ein Wille zum Erzählen, diktiert von einer phantastischen Unruhe und einer Komponente des Traums. Die antike Welt, die klassische Mythologie sind Realität, die in ihr als mächtige Stimulanz für ihre Inspiration agieren. Ihre Welt ist eine magische Welt, wo man nicht weiß wo die Fiktion endet und wo die Realität beginnt.
Auch die Farbe ist in Funktion der psychologischen Charakterisierung, so z.B. bei Prometheus und auch in den Portraits, wo Romana Hostnig mehr als die ästhetische Treue des Modells interessiert, sondern vielmehr die vitale Essenz der Persönlichkeit, indem sie die Seele zu enthüllen sucht.

Prof. Eva Kollmann, Kunsterzieherin, Bregenz, 2002
Die Bilder von Romana Hostnig besitzen große Aussage- und zeugen von beachtlicher Vorstellungskraft. Hinter den Werken erkenne ich eine Künstlerin mit starkem Willen und Durchsetzungsvermögen, einem weiten geistigen Horizont und großer künstlerischer Bandbreite, die sich schwer irgendwo einordnen lassen. Ihre Bilder beeindrucken durch Eigenständigkeit und Originalität und wecken im Betrachter Neugierde und die eigene Interpretationsfähigkeit, sie sind authentisch, wahrhaftig und unterwerfen sich keinem gängigen Publikumsgeschmack.

Gabriele Folz-Friedl, Wien 2009
Romana Hostnig’s Werke sind nicht ganz leicht in den zeitgenössischen Kontext einzuordnen. Sie fallen in gewisser Weise aus diesem heraus. Da ist nicht nur der unverkennbare Bezug zur Mythologie, der sich, so verschieden sie auch sein mögen, durchzieht. Andere Werke wiederum scheinen den direktesten, in seiner Krassheit kaum mehr steigerbaren Ausdruck extremer psychischer Befindlichkeit anzustreben in Bildern mit kühn deformierten, teilweise zerstückelten Körpern, in überraschenden, bedrohlich wirkenden Deformierungen bis hin zu nackter Aggression, die Körperteile in wuchtigen Messerklingen, in Säbeln oder gar Schusswaffen enden lässt.
Der Künstler der Moderne ist gezwungen, seine eigene Mythologie herzustellen, sozusagen eine Privatmythologie, da er nicht länger selbstverständlichen Zugriff auf einen allgemeinverbindlichen zeitgenössischen Mythos hat. Aus dieser Welt scheinen auch die eigenartigen stilisierten Wesen zu kommen, die zwischen Mensch und Tier angesiedelt sind, oder sich als antropomorphe Zwischenwesen in spielerischer Art über die Bildfläche räkeln.


Werner Krause, ehemaliger Kunsterzieher, Wien
Romana Hostnig schafft archaisch kraftvolle Figurationen statt einfacher realistischer Abbildungen, bleibt in Verfremdungen und Abstraktionen dennoch stets konkret. In ihren Arbeiten konzentriert sie sich mehr auf subjektive Wahrnehmungen und Befindlichkeiten, als auf das objektiv Sichtbare.So sind es immer wieder Personen aus dem Alltag der Künstlerin, oder allegorische, mythologische,zuweilen auch historische Figuren, denen symbolische Bedeutung zur Gegenwart anhaftet. Selbstportraits, oft angereichert mit surrealen Elementen, die eine eigenartige und ganz spezifische Schwebe zwischen Nähe
und Fremdheit hervorrufen. Sie zeugen von einer ausgepräten Gefühlswelt, die das ganze Spektrum physischen und psychischen Empfindungen widerspiegelt. Intuitiv setzt die Künstlerin Farben ein, um Zustände und damit verbundene Assoziationen ausdrücken.

Fabrizio Beccelli, Milano, 2016 Filmemacher
Eine vielschichtige Kohärenz zeichnet sich in ihrem umfangreichen Werk ab, nicht auf formale Wiederholungen beschränkt, sondern gleichzusetzen mit einer atavistischen Matrix, die ihrer ureigenen Vorstellungskraft und ihrem unverwechselbaren künstlerischen Ausdruck entspricht. Romana Hostnig bleibt ihrem Stil treu in der Umsetzung ihrer Ambitionen- in ihrem Beharren auf das Unverfälschte, abseits von modischen Einflüssen, quasi „naiv“ – im etymologischen Sinn von „ursprünglich“.
Ursprünglich und gewalttätig gegen Material und sich selbst im unermüdlichen Schaffensprozess. Denn es bedarf des schöpferischen Aktes, der auf die Möglichkeit der Selbstverwirklichung einwirken muss, um sie in einem Zustand des tatsächlichen Seins anzunähern. In Anlehnung an Aristoteles begreift Romana Hostnig die Kunst als aktive Potenz, als Energie, als wirkende Kraft.